Was ein CI kann, was es nicht kann

letzter versuch
Das gesunde Ohr kann 3500 verschiedene Töne generieren (in grün Frequenzskala des gesunden Ohrs), ein CI-versorgtes Ohr (in blau) hingegen kann nur 12 bis 22 verschiedene Tonfrequenzen erzeugen.

22 Tasten,… statt 3500!

Stellen sie sich ein Klavier vor. Es hat 88 Tasten. Jede Taste ist ein unterschiedlicher Ton.

Beim gesunden Ohr, sind es die Haarzellen in der Cochlea des Innenohrs, die zuständig sind für das Entstehen von Tönen (https://www.hoergeschaedigte.be/themen/was-ist-ein-C-I/). Ihre Schwingungen ergeben die neural-elektrischen Impulse, die von den Hörnerven empfangen und dann zum Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden sie geordnet und interpretiert. Die Anzahl verschiedener wahrgenommener Frequenzen liegt dabei mit 3500 erheblich höher als der Frequenzbereich eines Klavieres. Jede Haarzellenreihe ist zuständig für eine unterschiedliche Tonfrequenz.

Ist ein CI nötig um wieder hören zu können, reduzieren sich die erzeugten Tonfrequenzen auf die Anzahl der in die Cochlea eingeführten Elektrodenstränge, d.h. heutzutage in der Regel, zweiundzwanzig. Diese geringe Anzahl von elektroakustischen Reizen für die Hörnerven erklärt natürlich auch, warum das Gehirn das „Hören“ nach einer Implantation,  praktisch neu erlernen muss. Für das Sprachverstehen genügt dieser verkleinerte Frequenzbereich von Tonfrequenzen. Wörter wie „Mama“, „Hund“ oder „Danke“ sind auch mit 22 groben Klangfarben verständlich. Das Gehirn ist klug genug, um eventuelle Lücken aufzufüllen. Es erkennt die Sprachmuster und gewöhnt sich an das neue Hören.

Anders ist die Situation im Lärm des Restaurants, im Freundeskreis oder beim Musikhören: eine Melodie beispielsweise braucht feinste Abstufungen zwischen den Tönen. Etwas, was ein CI nicht leisten kann. Deshalb klingt sie für den CIträger oftmals blechern oder flach. Es ist, als ob man die Melodie auf einem Klavier spielen würde, das nur 22 Tasten hat.

Das CI ist also für den hochgradig schwerhörigen Menschen oder den Ertaubten ein Segen, – aber eben nicht immer.

Ob ein Fernsehschirm Ihnen ein Bild mit 22 Pixel abbildet, oder aber mit 3500 , das ist schon ein Unterschied!