Schon auf der letzjährigen REHACARE hatten wir eine kurze Einführung in AURACAST, als man uns den Auracastsender und den Kopfhörer EARIS MAX von Humantechnik vorgestellt hatte. Und in unserer Whatsappgruppe war die Nachricht verbreitet worden, dass nunmehr am Frankfurter Flughafen zwei der vorhandenen Gates mit der neuen Technologie ausgerüstet worden sind. Gleichzeitig waren wir in der Austauschgruppe auf den Wegfall der T-Spule bei den neuen CI Systemen von COCHLEAR hingewiesen worden.
Alles Zeichen dafür, dass die traditionellen Höranlagen am Ende sind? Oder anders: ist die Induktionsschleife überholt, und vielleicht sogar die herkömmliche FM-Anlage? Sind das alles „alte“, nicht mehr brauchbare Technologien?
Dieser Beitrag ist der Versuch, den Stand der Dinge darzustellen.
Was ist eigentlich AURACAST
Mit AURACAST bezeichnen Techniker nichts anderes, als eine Weiterentwicklung der klassischen Bluetooth Technologie, die es erlaubt Daten, -auch Audiosignale-,
kabellos von einem Punkt zum anderen zu übertragen. Im Unterschied zum klassischen Bluetooth, das nur jeweils einen Sender mit einem Empfänger verbindet und as
ein vorheriges sog "pairing" , ein Ankuppeln der beiden Punkte die man verbinden will, nötig macht, ist Auracast besser. Denn Auracast erlaubt es, einen Sender
mit vielen Empfängern gleichzeitig zu verbinden, ohne diese vorher anzukoppeln.
Man kann sich vorstellen in einem Bahnhof zu stehen und die Durchsagen der Bahn direkt auf das Hörgerät gesandt zu bekommen. Per Handy hätte man vorher nur die
Audioquelle auswählen müssen (z.B. die Durchsage für den Bahnsteig x), und schon passierts. Die Durchsage findet den Weg direkt auf's Hörgerät oder auf's CI, ohne
Umgebungs- oder Störgeräusch.
Aber nicht nur Hörgeräteträger profitieren so von der neuen Technologie, auch all jene in diesem Bahnhof, die ein Auracast"fähiges" Endgerät haben: Handyinhaber,
deren Handy die für solche Funksignale ausgelegt sind, junge Umstehende mit Ohrhörer die auracastfähig sind,....usw.
Aber,....sehen wir uns einmal folgenden Vergleich an: stellen sie sich vor, sie sind Autonarr, und interessieren sich für alles "rund um das Auto". Natürlich interessieren
sie sich für alles was neu auf den Markt kommt. Insbesondere für neue Automodelle mit neuester Technik.
Allerdings; was wird es kosten? Ihr jetziges Auto ist auch noch nicht so alt, der Moment eines Neukaufs nicht günstig.
Und passt das neue Modell in ihre Garage oder muss ich die vorher umbauen ? Und ,und, und,...
Bei jeder neuen Technik .stellen sich genau diese Fragen. Welches sind die Rahmenbedingungen, die erst erfüllt sein müssen, damit sie auch wirken kann.
"Die neue Technologie ist klar, der Markt nicht"!
Das war 2025 auf dem Blog des Hörgeräteherstellers PHONAK zu lesen. Hans Mülder, studierter Kernphysiker, der später umstieg auf Medizintechnik und selber lange
Zeit Chefentwickler bei PHONAK war, ehe er 2018 Leiter der strategischen Marketingabteilung bei AB BIONICS wurde, drückt es in einem Artikel folgendermaßen aus:
Ich sehe voraus, dass es kein Erfolgsmodell (im Hörgerätemarkt) werden wird.....Bluetooth Klassik wird bleiben und es wird 20 Jahre des gemeinsamen Nebeneinanders
geben"( April 2024, niederl. Zeitschrift DE AUDIOLOOG)
Mülder, selber auch bekannt durch viele technische Entwicklungen und Inhaber zahlreicher Patente in der Hörtechnik, verweist hier auf die Tatsache, dass viele
Hörgerätehersteller kein Interesse, an einem System das herstellerneutral für alle gilt, haben könnten. Verkaufen habe nämlich auch damit zu tun "ins Auge zu fallen", sich
von der Konkurrenz zu unterscheiden. PHONAK beispielsweise, will weiter voll auf die Mikrofontechnik setzen und sich damit im Bereich "Anpassung des
auf Hörgerätes auf die individuelle Hörumgebung seiner Kunden" noch stärker konzentrieren als bisher, und sich damit von der Konkurrenz unterscheiden.
Anderen Herstellern ist die Künstliche Intelligenz wichtiger als das gleichzeitige Streamen auf die Ohren von Vielen. Wieder andere könnten die Hörgeräte zu sog.
"Wearables" ausbauen wollen , die mit Messdaten der individuellen Gesundheit des jeweiligen Trägers punkten.
Und immer wieder hervorgehoben: das bisherige Schweigen von APPLE in der Debatte. So schreibt die Zeitschrift TECHEDT noch am 6 Februar 2026: " Apple ...hat
keinerlei Pläne bekanntgegeben zur Unterstützung von AURACAST...Viele Industrielle glauben , Auracast könnte einen entscheidenden Schub bekommen, wenn Apple
sich dazu entscheiden könnte, ihre AirPods-Reihe mit der neuen Technologie auszurüsten......".Aber bisher weist nichts darauf hin, daß die Firma mit dem Apfel im
Logo, ihre Endgeräte mit der neuen Technik ausstatten wird.
Zusammengefasst kann man sagen: Technik ist eine Sache, Business eine Andere!
Hörgeräte mit AURACAST, wie geht's weiter?
Nur wenige Hersteller bestücken zur Zeit ihre neuen Modelle mit Auracast. Zu nennen sind das OTICON Intent, das BERNAFON Encanta, das RESOUND Vivia und
das STARKEY Omega AI. Bei den CI's sind COCHLEAR Nucleus 8 KANZO 1 und 2 zu nennen.
Vor allem in der Konsumindustrie ,bei Fernsehern oder Kopfhörern zum Beispiel, ist Auracast eingebaut. Aber auch hier, geschieht dies eher lautlos und bescheiden leise,
ohne groß auf die neue Technologie hinzuweisen.
Im eben zitierten Artikel der niederländischen Zeitschrift AUDIOLOOG macht Hans Mülder folgende Aussage:" Von 5 Milliarden verkauften Bluetooth-Produkten,
hatten im Jahr 2023 weniger als 10% Auracast".
Für hörgeschädigte Menschen wäre AURACAST eine tolle Sache. Aber ob sich der neue Standard flächendeckend durchsetzen kann, und in welcher Zeit, bleibt noch
abzuwarten.