Gemeinsam unterwegs in Lüttich

Stadtführungen in lauten Städten und Menschen mit starker Hörbeeinträchtigung – das klingt erst mal nach einer schwierigen Kombination. Doch beim gemeinsamen Ausflug nach Lüttich hatten die 28 Teilnehmer gleich zwei Höranlagen im Gepäck. Nach der Ankunft im beeindruckenden Calatrava-Bahnhof und einem kurzen Fußweg zur Maas ging es per Flusstaxi ins Stadtzentrum -und die Technik lieferte: beide Anlagen funktionierten einwandfrei, sodass alle die kundigen Erklärungen der Stadtführerin Johanna bestens mitverfolgen konnten.

Die Route hatte einiges zu bieten: von der alten Fleischhalle über das alte Viertel „Hors Chateau“ mit seiner berühmten Buren-Treppe, weiter durchs ehemalige Minoritenkloster im Herzen der Altstadt, vorbei am „Perron“ (der Lütticher Freiheitssäule) und dem Rathaus, bis hin zur „Place Saint Lambert“ – dem ehemaligen Standort der großen Kathedrale – und schließlich in den Innenhof des fürstbischöflichen Palastes.

Aber es wurde nicht nur besichtigt, sondern auch verkostet. Vor der Metzgerei Lontin gab es Lütticher Weißwurst – ein Klassiker der bei keinem Aperitif fehlen darf. Besonders die Variante mit Rosinen schmeckte besonders gut und hat dem Patron der Metzgerei noch vor kurzem eine besondere Auszeichnung eingebracht. Beim nächsten Stop wartete „Peket“, der typische Wacholderschnaps den es in 77 Variationen und Geschmacksrichtungen gibt auf die Teilnehmer. Angeboten wurde die Zitronen- und die Veilchenversion. Zum Mittagessenwaren Lütticher Bouletten der klare Favorit, und das Dessert  – eine echte Lütticher Waffel  – genehmigte sich die Gruppe kurzerhand auf der Faust vor der Auslage der Bäckerei „Saperlipopette“.

Übrigens: Das Restaurant „Le Cloitre“, das das Mittagessen ausrichtete, ist ein Sozialprojekt, das jugendliche Langzeitarbeitslose auf eine Karriere im Restaurantbereich vorbereitet – eine schöne Sache.

Da auch das Wetter mitspielte, war man sich am Ende des Tages einig: Diese Art von gemeinsamer grenzüberschreitender Aktivität muss unbedingt wiederholt werden. Denn am Ende sind es die gleiche Beeinträchtigung und die gleichen gesellschaftlichen Barrieren, die verbinden – und alles andere zur Nebensache machen.